
Los geht´s Schoeler Scholle!
Von März bis Ende Juni 2026 treffen sich immer donnerstags ab 17:00 Uhr Interessierte und planen, was hinterm Haus passieren soll. Dabei werden sie unterstützt von Katja Baumeister-Frenzel, die schon 2019 die Beteilgunsgwerkstätten im Schoeler Schlösschen geleitet hat.
Teil des Beteiligungsprojektes ist eine kleine Ausstellung zur Geschichte des Gartens in der Stadt und jede Menge Kultur & Kunst – zur Anregung, zum Perspektivwechsel, als Diskussionsanlass und zm germeinsamen Erleben!
Jeden dritten Donnerstag im Monat ab 18:00 Uhr zeigen wir historische Gartenfilme, am 23. Mai ab 15:00 Uhr sendet Datscha Radio und im Forum sind Interventionen von Lorenz Kienzle und Axel Jansa zu sehen.
Das Programm
„Von Füchsen und Bäumen – die verschwinden“
Künstlerische Intervention
Die Intervention im Beteiligungsraum basiert auf der Zusammenarbeit von Lorenz Kienzle und Axel Jansa, die sich seit 2023 fotografisch mit einer von Bebauung bedrohten ehemaligen Kleingartenanlage an der Ecke Waghäuseler / Prinzregentenstraße beschäftigen. Beide sind Teil der Nachbarschaftsinitiative „KlimaInsel Wilmersdorf“, die das Gartenland mit bis zu 60 Jahre alten Bäumen erfolgreich in einen Gemeinschaftsgarten umgewandelt hat und deren Ziel es war, das kühlende Biotop vor der Zerstörung durch ein Bauprojekt zu retten.
Lorenz Kienzle versucht alle Bäume des Gartengeländes wortwörtlich mit der Plattenkamera festzuhalten und zeigt davon analoge Kontaktabzüge in zwei Vitrinen. Axel Jansa als unmittelbarer Nachbar zeigt auf spielerische Weise aus seiner Vogelperspektive das Leben der Insel-Füchse im Jahreslauf, die stellvertretend für alle Tiere stehen, die auf der KlimaInsel leben.
Schon im Herbst 2025 hatten die beiden sich in der Ausstellung „Gärten des Widerstands“ in der Kommunalen Galerie mit der Geschichte des Protests gegen die Bebauung, den Gärten und Gartenlauben und dem Leben einer Fuchsfamilie beschäftigt. Am 25. Februar 2026 wurden sämtliche Bäume gefällt.
Intervention, (lateinisch) als „dazwischentreten, sich einschalten“, wird damit doppelt verstanden. Sie folgt auf die Empörung über die Schließung einer Kleingartenanlage und drückt sich im Engagement für einen nachbarschaftlichen Gemeinschaftsgarten und dessen weiteren Erhalt aus und folgt damit dem Aufruf „Empört euch! Engagiert euch!“ von Stéphane Hessel, der in einer begleitenden Filmdokumentation am 22.4. um 19.00 Uhr gezeigt und zur Diskussion gestellt wird.
Lorenz Kienzle beschäftigt sich als Fotograf mit Orten der Literatur bei Theodor Fontane und Alfred Döblin, was ihn über die Jahre zur Stadt- und Landschaftsfotografie gebracht hat. Im Fall der KlimaInsel Wilmersdorf, fließt beides wieder zusammen.
Axel Jansa ist Amateurfotograf und im Lauf der Zeit pädagogisch aktiv in unterschiedlichen Zusammenhängen, dabei in Beobachtung geschult, nun auch übertragen auf Fuchsfamilien.

100 Jahre Gartengeschichte
Historisches Filmprogramm
Zur Eröffnung des Beteiligungsprojektes „Schoeler Scholle“ in der ersten Gartensaison lädt das Schoeler-Schlösschen bei freiem Eintritt ein zu einer filmischen Reise durch 100 Jahre Gartengeschichte kuratiert von Christine Kisorsy. Gespräche mit Filmemacher:innen, Historiker:innen und Akteur:innen begleiten das Programm.
Zwischen Beeten, Lauben und verwinkelten Koloniewegen lässt sich die Geschichte einer Stadt aus einer anderen Perspektive erzählen. Im Mittelpunkt steht dabei der Garten als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen: als Ort sozialer Fürsorge und gesundheitlicher Erholung, als Ausdruck der bürgerlichen Selbstorganisation und eines internationalen Miteinanders und als Reibungsfläche politischer Ideologien.
Das Filmprogramm startet mit einer sogenannten „Krisenkomödie“, in der vier junge und pfiffige Menschen ohne Geld und Arbeit in ihrer Gartenlaube mit immer neuen Geschäfts ideen von Geld und Wohlstand träumen.
Es spannt den Bogen weiter mit Dokumentarfilmen über die sozialen und gesundheitlichen Aspekte der Schrebergartenbewegung zur Zeit der Weimarer Republik bis hin zu der Bedeutung der Nutzung im Rahmen der Reichsbahnkleinland wirtschaft für die Volksgemeinschaft.
Im Anschluss folgt ein Gespräch mit der Gartenexpertin Carolin Engwert und der Filmkuratorin Christine Kisorsy.

Das zweite Filmprogramm beginnt in der Nachkriegszeit, als bei der Nahrungsmittelversorgung für die Berliner Bevölkerung Improvisation gefragt war und jedes Stück freies Land in der Stadt zu gärtnerischen Zwecken genutzt wurde. Und es verdeutlicht, das zur Zeit des Mauerbaues auch Kleingärten politische Bedeutung hatten, wenn sie den Grenzanlagen im Wege waren. Abschließend zeigt es den Berliner Alltag in Laube und Datsche dies- und jenseits der Mauer.
Im Anschluss folgt ein Gespräch mit Dr. Jens Schöne, Historiker und Stellvertretender Berliner Beauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Filmkuratorin Christine Kisorsy

Was Berlin in West und Ost in den 1970er und 1980er Jahren über die Mauer hinweg vereint hat, war der Abriss von Kleingartenkolonien für den Bau von Wohnsiedlungen und Industrie. Während der Regisseur Wolf Friedel mit seiner Kamera das Leben, den politischen Protest und den Abriss der Kolonie Oeynhausen in Wilmersdorf begleitete, waren die Kameramänner der Staatlichen Filmdokumentation dabei, als in Friedrichsfelde-Ost großflächig Parzellen entmietet und geräumt wurden.
Im Anschluss folgt ein Gespräch mit dem Regisseur Wolf Friedel und der Filmkuratorin Christine Kisorsy.

Der Dokumentarfilm „Sprechende Gärten – Die Berliner Urban Gardening Bewegung“ von Teresa und René Reichelt stellt sieben verschiedenen Gartenprojekte in Berlin mit ihrer Besonderheit und Vielfältigkeit vor. Im Mittelpunkt des Films stehen die Akteure, ihre Visionen und ihre Projekte u.a. Wuhlegarten, Allmende-Kontor, Die Initiativen „Obstbäume im Görli“ und „Wir ernten, was wir säen“, sowie Himmelbeet und Prinzessinnengarten.
Der Filmemacher George Eich begleitet Aktivist:innen, Freunde und Nachbarn in einen interkulturellen Garten in Kreuzberg. Zum Abschluss zieht der Nachbarschaftsgarten „Rosa Rose“ durch die Stadt an einen neuen Standort, weil das Gebiet bebaut wird. Dabei nutzen sie die Gelegenheit, um für mehr Grünflächen und mehr Gemeinschaftsgärten in der Stadt zu demonstrieren.
Im Anschluss folgt ein Gespräch mit dem Regieteam Teresa und René Reichelt und der Filmkuratorin Christine Kisorsy.


Datscha Radio von der Schoeler Scholle
Live Radiosendung
Am 23. Mai von 15:00 bis 18:00 Uhr sendet Datscha Radio – a garden on air von der Schoeler Scholle.
Datscha Radio ist ein seit 2012 aktives Berliner Radiokunst-Projekt, das sich für eine erweiterte Kultur des Radiomachens und der Weltwahrnehmung einsetzt.
Datscha Radio nutzt das Medium Radio, um neue Hörerfahrungen diesseits der gängigen Dichotomien von Kultur/Natur oder Sender/Empfänger zu kreieren. Ausgangspunkt und Schnittstelle aller Inhalte ist “der Garten”, der unsere Arbeit als universelle Metapher für Diversität, Wissenskultur und gesellschaftliches Engagement begleitet.
Datscha Radio erweitert die Kunst des Radiomachens um die Lebenswelt des Gartens mittels Performance, Experiment, Gespräch, inklusiven Workshops und “Hörstationen”. Gesendet wird über das Internet und über UKW-Mikrotransmitter vor Ort. Im Rahmen von Kooperationen mit bestehenden Sendern gab es auch berlinweite UKW-Übertragungen auf 88,4 MHz und in Potsdam auf 90.7.

